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FH Mittweida: (Beleg- und Hausarbeiten aus 7 Semestern)
Be1egarbeit: Fach: Geschichte der Technik
(abgeschlossen im Sommersemester: 1993?)
Thema: „Die Entwicklung der Sonnenuhr im Laufe der Zeit“

Hausarbeit: Fach: Sozialpsychologie (abgeschlossen im Wintersemester: 1993-1994?)
Thema: „Die Graphologie oder Schriftdeutung“


Höferlin-Institut (Fernstudium: Institutsabschluss; kein Hochschulabschluss)
Diplomarbeit: (abgeschlossen im Dezember 1995)

Thema: „Gibt es eine Umsetzung der "Die Idee der verbraucherorientierten Vermittlung im Finanz- und Versicherungsmarkt" und wie wird diese Idee verwirklicht?“

Die Ausführungen, die Interviews und die Schlussfolgerungen im Ergebnis der Diplomarbeit geben den damaligen Stand wieder. Die Diplomarbeit unterlag dem „Wandel der Zeit“ und ist nicht „zeitlos“. Die Diplomarbeit fand damals über 45 interessierte Abnehmer. Über die Diplomarbeiten-Vermarktung kamen danach noch einmal 3 weitere Exemplare hinzu. Im Gegensatz zu den o.g. Beleg- und Hausarbeiten ist daher hier nun nur das Thema wiedergegeben.

Hiermit untersage ich (Jens Wolf, www.kaiseradler.de) jede weitere Verbreitung, Vervielfältigung, Verwertung meiner wissenschaftlichen Ausführungen / Ausarbeitungen oder Teilen daraus. Die eingescannten Texte wurden auf diese Teilseiten kopiert, so dass diese hinsichtlich "Schriftart" und / oder "Schriftgrösse" und / oder "Seitenbreite, die für den Text zur Verfügung steht" vom Original abweichen. Die Seitenangaben habe ich weggelassen und die Rechtschreibfehler habe ich berichtigt.

„Die Entwicklung der Sonnenuhr im Laufe der Zeit“ im Fach „Geschichte der Technik“

 

B e 1 e g a r b e i t
Fach: Geschichte der Technik
Thema: Die Entwicklung der Sonnenuhr im Laufe der Zeit

 

1. Vorwort

Die Sonnenuhr ist das älteste Messinstrument der Zeit.

Ihre Geschichte begann im Altertum. Danach wurden überwiegend grosse Sonnenuhren gebaut und diese in den unterschiedlichsten Varianten. Sie wurden dabei im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner. Es entstanden die winzigen, jedoch äusserst genauen Taschenuhren.

Bis heute haben die Entwicklung und die Herstellung der Sonnenuhren nicht aufgehört. Auch heute werden diese noch hergestellt.

 

Inhalt
1. Vorwort
2. Die Sonnenuhren im Altertum
2.1. Die Anfänge der Zeitmessung
2.2. Der Beginn der Zeitmessung durch die Sonnenuhren
2.3 Die ersten einfachen Taschensonnenuhren
3. Die Sonnenuhren im Mittelalter
4. Die verschiedenen Bauvariationen der Sonnenuhren
4.1. Die Äquatorialsonnenuhr
4.2. Die Hohlkugelsonnenuhr
4.3. Die Globus- oder Kugelsonnenuhr
4.4. Die Ringsonnenuhr und der Sonnenring
4.4.1. Die Ringsonnenuhr
4.4.2. Der Sonnenring
4.5. Die Vertikaluhr
4.6. Die Horizontaluhr
4.7. Die polaren Sonnenuhren
5. Die weitere Entwicklung der Sonnenuhren
6. Die Genauigkeit der Sonnenuhren
7. Quellenangabe

 

 

2. Die Sonnenuhr im Altertum
2. 1. Die Anfänge der Zeitmessung

Mit der direkten Beobachtung der Sonne begann die Zeitmessung. Damals wurden lediglich die Höhe und die Richtung über bestimmten Landschaftspunkten gemessen.

Die Wissenschaft von Sonnenuhren wird auch als Gnomonik bezeichnet. Zu dieser Wissenschaft zählt die Berechnung und Konstruktion der Sonnenuhr. Der Gnomon ist der Schattenwerfer der Sonnenuhr. Er ist das älteste und einfachste astronomische Beobachtungsinstrument. Dabei gibt es den schattenwerfenden Gnomon und den Lochgnomon. Steht der schattenwerfende Gnomon senkrecht, so wird er als Obelisk, und falls er geneigt ist, so wird er als Polstab, bezeichnet. Der Lochgnomon ist eine mit einem Loch versehene Scheibe, welche einen Lichtpunkt projiziert.

Man erkannte die astronomischen Zusammenhänge und die Grundlagen der Zeit- und Kalenderrechnung. Dazu zählt zum Beispiel auch die Anlage von Stonehenge im südlichen England. Sie stammt aus der Zeit von circa 2200 - 1400 v.u.Z. und spricht für die eingehende Naturbeobachtung. Eine aus grossen Steinen gebildeten Visierlinie wurde dazu verwendet. Mit ihr wurde der grösste und kleinste Tagesbogen der Sonne bestimmt. Es wurde weiter erkannt, dass sich im Laufe des Tages der Schatten in Länge und Richtung ändert.

 

2. 2. Der Beginn der Zeitmessung durch die Sonnenuhren

Etwa 1.500 v.u.Z. entstanden in Ägypten die ersten einfachen Sonnenuhren. Diese bestanden aus 2 Brettern, welche im rechten Winkel zusammengesetzt waren. Sie enthielten 6 Markierungen auf der Auffangebene. Gemessen wurde nur die Stundenlänge. Diese Sonnenuhren mussten mittags um 180° gedreht werden.

Im 4. Jahrhundert v.u.Z. gab es die 1. Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen. Sie stammt möglicherweise vom Mathematiker und Astronom ENDOXUS.

Erst 4 einhalb Jahrhunderte nach der Gründung des Römischen Reiches wurde die 1. Sonnenuhr in Rom aufgestellt. Dieses war 293 v.u.Z. Die 2. Sonnenuhr in Rom, welche eine Kriegsbeute aus Sizilien war, folgte 3 Jahrzehnte später. Durch die unterschiedliche geographische Breite kam es aber zu einer fehlerhaften Anzeige. 99 Jahre später wurde eine weitere Sonnenuhr neben die Zweite gestellt, so dass auch an diesem Standort die richtige Zeit abgelesen werden konnte. Auf öffentlichen Plätzen folgten weitere Exemplare. Auf einigen waren sogar Sprüche vorhanden.

Weiterhin war der mathematische Zusammenhang zwischen der Gnomonlänge und der Länge des Mittagsschattens im Altertum bekannt. Die ersten Bücher wurden über die Sonnenuhren geschrieben. Grundlegende Werke der Gnomonik schrieb TABIT BEN OARRA (etwa 825 bis 921).

Die Araber ABU - WEFA, ABUT, - HASAN und ABU - JUNI spielten eine grosse Rolle bei der Berechnung und Konstruktion des Sonnenuhrenbaus. Zahlreiche praktische Arbeiten für die "Hakemitischen Tafeln" sind vom Letzteren, welcher 1009 in Kairo starb. HASSAN VON MAROKKO war der letzte grosse arabische Wissenschaftler der Gnomonik. Er entwickelte ein graphisches Verfahren bei dem man mit einem Zirkel die Schattenlänge für jede Stunde eines Tages sowie des Jahres, die vom Schattenwerfer gebildet worden war, an einem gegebenen Ort abgreifen konnte. Er starb 1270. Um die 5 - maligen Gebetszeiten festzulegen, wurden an den Moscheen Sonnenuhren angebracht. Sie enthielten zur genauen Einhaltung der Gebetszeiten verschiedene Markierungen. Auch zur Ermittlung der Gebetsrichtung, die der Koran vorgab, nämlich Mekka, wurde die Gnomonik einbezogen.

 

2. 3. Die ersten Taschensonnenuhren

Die Stundenlänge zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang war zur damaligen Zeit noch nicht bekannt. So wurde der Tag in 12 Temporalstunden eingeteilt. Diese waren je nach Tageszeit und Tageslänge unterschiedlich.

Bei Ausgrabungen fand man zum Beispiel 2 verschiedene Taschensonnenuhren. Mit diesen Sonnenuhren wurde die Sonnenhöhe gemessen. Beide Varianten waren nur in bestimmten Breiten verwendbar.

Die kleine römische Sonnenuhr ist nur 5 cm gross. Auf ihr sind 7 strahlenförmige Linien abgebildet. Die Zeit konnte man ablesen, wenn man als erstes das drehbare Lineal auf das entsprechende Datum eingestellt hatte. Wenn dann das Licht durch das Loch schien, entstand auf dem Lineal ein Lichtfleck. Dieser zeigt dann den Stundenpunkt des entsprechenden Datums an.

Die schinkenförmige römische Sonnenuhr wurde so am Ring aufgehängt, dass der Schattenendpunkt des Gnomons auf die betreffende der Monatslinie der Einteilung fiel. Beide wurden nach Süden ausgerichtet.

 

3. Die Sonnenuhren im Mittelalter

Um die Gebetszeiten und Messen regelmässig zur gleichen Zeit durchzuführen, wurden schon frühzeitig an den Kirchen und Klöstern Sonnenuhren angebracht.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Sonnenuhren weiter verbessert. Der Schattenstab wurde zum Himmelsnordpol gerichtet. Bisher war dieser waagerecht und war erdachsenparallel angebracht. Mit der Horizontebene bildet der Schattenwerfer einen Winkel. Dieser entspricht der geographischen Breite des Ortes.

Die ersten Reisesonnenuhren mit waagerechtem Ziffernblau wurden 1451 gebaut. Sie enthielten einen Polfaden und zusätzlich einen Kompass.

Der Höhepunkt des Sonnenuhrenbaus war im 16. Jahrhundert. Diese Blütenzeit endete erst im 18. Jahrhundert. In ihr begann die Massenproduktion von Reise-, Tisch- und Taschensonnenuhren. Zentren des Baus waren Nürnberg und Augsburg. Dort wurden sie auch hergestellt und fanden dort den besten Absatz.

Die Augsburger Reisesonnenuhr wurde in grosser Stückzahl hergestellt. Sie wurde aber auch in Frankreich und England nachgebaut. Diese Reisesonnenuhr war eine zusammenlegbare Äquatorialsonnenuhr mit Lot und Kompass. Ihr grosser Vorteil war, dass sie für alle Breiten konstruiert war. "Ein Viertelkreis ermöglichte die Einstellung eines nadelförmigen Polstabes auf die gewünschte Breite, die man einem Atlas oder einem Tabellenwerk entnehmen konnte. Die meisten Uhren dieser Art verfügten über eine Einstellmöglichkeit der Polhöhe von 30° - 60°, was der geographischen Breite zwischen Kairo und Leningrad bzw. Oslo entspricht.“(1)

Die Nürnberger Sonnenuhr war ebenfalls eine Klappsonnenuhr. Im Inneren befanden sich eine horizontale und eine vertikale Sonnenuhr. Ein Kompass war auch vorhanden. Er ermöglichte die richtige Ausrichtung nach dem Meridian. "Bisweilen sieht man auch ein kleines Lot, um die horizontale Lage der Uhr zu gewährleisten. Der Schattenanzeiger wird von einem Polfaden gebildet, der beim Aufklappen gestrafft wird."(2)

In ganz Europa waren diese Uhren im 17. bis 18. Jahrhundert verbreitet. Sie wurden unter anderem durch Kalendertäfelchen oder Hilfen zur Bestimmung der Mondphasen versehen. Sogar verkleidete Exemplare gab es. Die Verkleidung bestand aus Metall, Elfenbein oder bunten Pergamentpapier.

Der Nachteil einiger tragbarer Sonnenuhren war, dass sie eigentlich nur für diese Breite verwendet werden konnten für die sie berechnet worden waren. Da aber die Anforderungen an die Genauigkeit so gross waren, konnten sie auch in einem Bereich von +/- 200 km benutzt werden.

Bis zum 18. Jahrhundert konnten die Sonnenuhren nicht durch mechanische Uhren ersetzt werden. Der Grund war die Ungenauigkeit der mechanischen Uhren. Sie wurden immer wieder nach den Sonnenuhren gestellt.

 

4. Die verschiedenen Bauvariationen der Sonnenuhr
4.1. Die Äquatorialsonnenuhr

Die Äquatorialsonnenuhr ist der Prototyp aller Sonnenuhrenarten. Das Ziffernblatt ist parallel zum Schattenstab d.h. in Richtung Himmelsnordpol angebracht. Diese Uhr besitzt ein oberes und ein unteres Ziffernblatt. Da die Sonne im Sommerhalbjahr nördlich des Himmelsäquators steht, wird im oberen Ziffernblatt die Zeit angezeigt. Im Winterhalbjahr ist die Sonne südlich des Himmelsäquators, so dass das untere Ziffernblatt benutzt wird. Die Äquatorialsonne zeigt die wahre Ortszeit an.

 

4. 2. Die Hohlkugelsonnenuhr

Die Hohlkugel war der Grundkörper für eine Reihe von Sonnenuhrarten. Es wurde festgestellt, dass die gleichförmig scheinbare Bewegung der Sonne eine ungleichförmige Bewegung des Schattenstabes oder -punktes auf einer ebenen Auffangfläche zur Folge hat. Dabei spielt es keine Rolle ob die Sonnenuhr vertikal oder horizontal angebracht oder gebaut war. Deshalb wurden im Altertum meist ausgeholte runde Körper verwendet, so dass eine gleichförmige Bewegung des Schattenpunktes zustande kam. So konnten auch sehr gut Stunden- und Datumslinien eingetragen werden.

Im 18. Jahrhundert wurden antike Sonnenuhren bei Ausgrabungen entdeckt. Sie waren aus widerstandsfähigem Marmor bzw. Travertin gebaut worden. Dieses beweist den hohen Stand des Sonnenuhrenbaus.

Bei der folgenden Uhr konnte man die Zeit und das Datum ablesen. Für beides waren Linien mit einer entsprechenden Einteilung vorhanden. Angezeigt wurde die wahre Ortszeit. Als mathematischen Horizont benutzte man den Rand der Sonnenuhr. Die Spitze des Stabes befindet sich in Höhe des mathematischen Horizontes. Die Stundenmarkierungen sind im Abstand von 15° angebracht worden. Die Zeit brauchte man bei richtiger Aufstellung nur abzulesen.

4. 3. Die Globus- oder Kugelsonnenuhr

Diese Sonnenuhr besitzt als Grundkörper eine Kugel als Auffangfläche. Die Kugelsonnenuhr sollte so aufgestellt sein, "dass die Achse der Kugel unter dem Winkel der geographischen Breite geneigt ist und in Nord - Süd Richtung verläuft." (3) Die Vormittagsstunden werden auf der östlichen Seite angezeigt. Die Nachmittagsstunden werden dagegen auf der westlichen Seite angezeigt.

Diese Sonnenuhren wurden meist mit einem Äquatorkreis versehen. Auf ihm sind die Stundenmarkierungen angebracht. Als Schattenwerfer dient ein Metallbügel, der den Nord- mit dem Südpol verbindet. Die Stundenmarkierungen sind im Abstand von 15° auf dem Äquatorkreis angebracht. Die 12.00 Uhr Stunden Markierung ist auf dem obersten Punkt auf dem Äquatorkreis angebracht. Der oberste Punkt der Kugel ist der eigene Standpunkt.

Die Globussonnenuhr zeigt die wahre Ortszeit an. Durch diese Bauweise kann man sogar die Zeitunterschiede von beliebigen Orten auf dem Äquator ablesen.

 

4.4. Die Ringsonnenuhr und der Sonnenring
4.4.l. Die Ringsonnenuhr

Der Vorteil dieser Sonnenuhrenart ist die Anwendbarkeit auf allen geographischen Breiten. Die geographische Breite wird am Meridianring eingestellt. Die Ringsonnenuhr wird nach Süden ausgerichtet. Mit ihr kann man sogar die Himmelsrichtungen bestimmen.

Die Ringsonnenuhr besitzt einen verstellbaren Aufhängepunkt am Meridianring. An ihm wird die geographische Breite eingestellt. Meridian- und Stundenring sind im rechten Winkel zueinander angebracht. Der Deklinationsschieber, mit ihm wird das Datum eingestellt, ist auf einer drehbaren Achse angebracht. Die Achse ist gegenüber den Befestigungspunkten des Stundenringes um 90° versetzt. Sie verläuft durch den Meridianring. Als Lochgnomon dient der Schlitten im Deklinationsschieber. "Der Stundenring verläuft dann parallel zum Himmelsäquator, und die Achse zeigt zum Himmelsnordpol." (4) Der Lichtpunkt, der vom Deklinationsschieber erzeugt wird, erscheint auf der Innenseite des Stundenringes. Dieses geschieht, wenn die Sonne durch den Lochgnomon scheint. Der Deklinationsschieber ist deshalb drehbar. Auf dem Stundenring kann man dann die wahre Ortszeit ablesen.

Mit der Ringsonnenuhr kann man auch die Himmelsrichtungen bestimmen.

Diese Ringsonnenuhren zählen zu den Kostbarkeiten in den Museen, da sie vom hohen wissenschaftlichen Können der Sonnenuhrbauer zeugen.

 

4.4.2. Der Sonnenring

Der Sonnenring ist zum Gegensatz zur Ringsonnenuhr "nur" ein Ring. Der Ring enthält ein Loch und eine Auffangfläche im Inneren des Ringes. Ein Lichtpunkt entsteht, wenn die Sonne durch dieses Loch scheint. Mit solchen Sonnenringen kann Sonnenhöhe, Stunden- und Monatsteilung abgelesen werden, falls die entsprechenden Einteilungen auf dem Innenrand des Ringes vorhanden sind. Der Sonnenring ist keine Ringsonnenuhr. Jedoch beide zeigen die wahre Ortszeit an.

 

4.5. Die Vertikaluhren

Diese Sonnenuhren besitzen das Ziffernblatt bzw. die Auffangebene auf einer vertikalen Ebene. Dieses ist meist eine Wand. Der Vorteil besteht darin, dass man sie von weitem sehen kann. Der Nachteil ist die begrenzte Sonneneinstrahlung. Es sind maximal 12 Stunden.

Als vertikale Süduhr wird diese Sonnenuhrenart bezeichnet, wenn die Wand nach Süden zeigt. Falls nicht, so wird sie als abweichende vertikale Süduhr bezeichnet.

Bei der vertikalen Norduhr kann man nur im Sommerhalbjahr die Zeit ablesen. Im Winterhalbjahr scheint die Sonne nicht aus nördlicher Richtung, so dass kein Schatten entsteht.

 

4.6. Die Horizontaluhren

Eine horizontale Auffangebene hat diese Sonnenuhrenart. Sie zeigt vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang an.

Nachteilig ist das Ansammeln von Regenwasser. Sie ist auch nur ablesbar, wenn man davor steht. Damit das Regenwasser abfliessen kann, ist diese Uhr meist in Nord - Südrichtung geneigt. Der Winkel zwischen Schattenstab und Auffangebene ist auch hier die geographische Breite. Falls die Horizontaluhr so geneigt ist, wird zur geographischen Breite noch der Neigungswinkel, d.h., die zusätzliche Neigung zum Abfluss des Regenwassers der Auffangebene, dazu addiert. Die horizontale Sonnenuhr benötigt wie die Äquatorialsonnenuhr eine schattenfreie Fläche. Diese Uhren findet man in Gärten und Parkanlagen.

 

4.7. Die polaren Sonnenuhren

Bei diesen Sonnenuhren verlaufen Schattenstab und Auffangebene parallel zueinander. Der Schattenwerfer ragt meist senkrecht als Steg aus der Auffangebene heraus.

Bei der Ostuhr ragt dieser beispielsweise am 6.00 Uhr Punkt oder bei der Westuhr beim 18.00 Uhr Punkt heraus. Zeigt das Ziffernblau bzw. die Auffangfläche nach Osten oder Westen, so wird die Sonnenuhr als vertikale Ost- oder Westuhr bezeichnet. Die Ostuhr zeigt die Zeit vom Sonnenaufgang bis 12.00 Uhr an. Am 12.00 Uhr Punkt wird nichts angezeigt. Nach 12.00 Uhr bis zum Sonnenuntergang zeigt die Westuhr die Zeit an. Beide Varianten zeigen also fast 6 Stunden am Tag an.

Als Wanduhr eignet sich die Süduhr nicht, da sie eine freie Fläche benötigt. Die Süduhr, und das ist ihr Vorteil zeigt 11 Stunden an.

 

5. Die weitere Entwicklung der Sonnenuhren

Die Erhöhung der Ganggenauigkeit der mechanischen Uhren konnte der Entwicklung der Sonnenuhr kein Ende setzen. Es wurden immer mehr Sonnenuhren zur Gestaltung von Plätzen und in Parkanlagen aufgestellt. Die Sonnenuhren wurden mehr als Schmuckgegenstand verwendet. Die Unabhängigkeit der mechanischen Uhren vom Sonnenlicht war der grosse Vorteil dieser Uhren.

In der indischen Stadt Japur ist eine gnomonische Grossanlage erhalten geblieben. Sie besteht aus 16 grossen Instrumenten. Diese Grossanlage wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Grundlage dazu war die jahrtausendlange Entwicklung der Astronomie und Zeitmesskunst in Indien.

Auf die Messinstrumente und die Sonnenuhren, welche im Freien aufgestellt worden sind, wirkt nun die Umwelt ein. Solche Umwelteinflüsse können beispielsweise "saurer" Regen und Frost sein. Die Folge sind Rekonstruktionsmassnahmen zum Schutz vor der Zerstörung.

In der Geschichte der DDR sind beispielsweise 30% der Sonnenuhren neu entstanden. Fast 70% dieser Uhren sind vertikale Sonnenuhren. Einige davon erkennt man erst beim 2. oder 3. anschauen, ehe man darauf kommt, was sie eigentlich darstellen sollen.

"Die in Europa seit einem halben Jahrtausend bekannten Polstabsonnenuhren waren einst schmucklose Zeitmesser - heute sind sie zu einem Zeitmessenden Schmuck von Gebäuden und Freiflächen geworden." (6)

Im Laufe der Zeit sind viele Sonnenuhren, welche an Häuserwänden angebracht worden waren, verschwunden. Ursachen liegen in der Industrialisierung und der baulichen Umgestaltung der Dörfer und Städte. Es sind nur wenige der alten Vertikaluhren erhalten geblieben. Nicht alle der alten Sonnenuhren stehen unter Denkmalschutz.

Bis heute hat der Bau der Sonnenuhren nicht aufgehört. Nachbildungen stellt beispielsweise die Firma "Artina" aus Bad Homburg her. Sie spezialisierte sich auf Taschensonnenuhren. Es werden Klapp- und Ringsonnenuhren beispielsweise hergestellt. Manche besitzen sogar einen Kompass. Sie bestehen aus Messing oder Silber.

 

6. Die Genauigkeit der Sonnenuhren

Die Genauigkeit der Sonnenuhr wird durch den Kernschatten bestimmt. Dabei kann der Schattenwerfer punkt- oder scheibenförmig sein. Der Kernschatten des Planeten Erde ist zum Beispiel 1,4 Millionen km lang.

Eine grössere Sonnenuhr kann bis auf die Minute genau anzeigen. In die Berechnung fliesst dann die Geschwindigkeit der Sonne zu jeder Jahreszeit ein, dieses geschieht vor allem bei kleineren Sonnenuhren. "Für die Genauigkeit einer Sonnenuhr ist es auch von Bedeutung, mit welcher Geschwindigkeit sich die Schattenspitze bzw. das Sonnenbild über die Auffangfläche bewegt" (5). Die Geschwindigkeit hängt von der Entfernung zwischen Schattenwerfer oder Loch und der Auffangebene zusammen.

Jede Sonnenuhr zeigt normalerweise die wahre Sonnenzeit eines bestimmten Ortes an. Diese Zeit wird auch als wahre Ortszeit bezeichnet. Der Begriff wahre Ortszeit sagt aus, dass jeder Sonnenstand eines Ortes einer bestimmten Zeit entspricht.

 

7. Quellenangabe

Zu dieser Belegarbeit wurde folgendes Material verwendet.

Das Buch "Faszination Sonnenuhr" von Arnold Zenkert aus dem Verlag Technik Berlin. Aus ihm stammen alle Abbildungen und Zitate.

Zitate:
1. von Seite 28;
2. von Seite 28;
3. von Seite 71
4. von Seite 8l
5. von Seite 93
6. von Seite 31

Abbildungen:
Bild 1.1. von Seite 10
Bild 1.2. von Seite 12
Bild 1.5. von Seite 14
Bild 1.6. von Seite 14
Bild 3.21. von Seite 71
Bild 3.22. von Seite 72
Bild 3.26. von Seite 80

Werbeprospekte der Firma "Artina" Güldensöllerweg 21 W-6380 Bad Homburg

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„Die Graphologie oder Schriftdeutung“ im Fach „Sozialpsychologie“

 

H A U S A R B E I T
Fach: Sozialpsychologie
Thema: Die Graphologie oder Schriftdeutung

 

0. Inhaltsverzeichnis
1. Die Graphologie
2. Die Schrift
2.1. allgemeines zur Schrift
2.2. Die Zeilenführung
2.3. Die Unterschrift
3. weitere Merkmale der Schrift und deren Bedeutung
3.1. allgemeines
3.2. Die Oberlängen und Oberschleifen
3.3. Die Unterlängen
3.4. Die Vereinfachungen und Verbesserungen
3.5. Die Schriftbindung oder der Schriftduktus
3.6. Die Formung der Vokale
4. Verzeichnis der verwendeten Informationen / Bücher

 

1. Die Graphologie

 

Die Graphologie ist die Schriftdeutung. Diese kann man nutzen um durch die Handschrift dem Schreiber Eigenschaften, die seinem Charakter entsprechen zuzuordnen. Jeder Charakter und jede Schrift ist verschieden. "Ein Beispiel: Eine Person wird von einer anderen beleidigt. Sie hat nun verschiedene Möglichkeiten, auf die Beleidigung zu reagieren: aufbrausend, ironisch, ruhig, niedergeschlagen usw. Wie sich die beleidigte Person letztendlich verhält, hängt von der Beschaffenheit ihres Charakters ab."(1) Eine grosse Rolle dabei neben dem Fühlen, dem Wollen, den Trieben ist die Intelligenz. Diese Eigenschaften findet man in der Handschrift wieder. Alle die Eigenschaften kann man direkt oder durch Schlussfolgerungen ablesen. Eigenschaften, die dominieren, finden häufiger ihren Niederschlag in der Schrift.

Zu den schwierigsten Aufgaben in der Graphologie zählen die genaue Beschreibung des Schreibers, wie z.B. ein klein wenig, gelegentlich oder unter gewissen Umständen. Die äusseren Lebensumstände und die Vorlieben für bestimmte Tätigkeiten oder Sachen kann man auch aus der Handschrift feststellen. Aber auch Informationen über sein soziales Umfeld, die Begabung und bestimmte Wünsche lassen sich aus der Handschrift ablesen. Dazu gehört auch das Feststellen ob der Schreiber seinen Neigungen nachkommen oder nicht nachkommen kann.

In der Handschrift spiegelt sich der physische Zustand wieder. Die Ursache liegt darin, dass man in der Graphologie nicht zwischen Geistig-Seelischen und dem Körperlichen unterscheidet. Aus diesem Grund ist es sogar möglich, zuverlässige Gesundheitsanalysen auszuarbeiten.

Sobald sich der Charakter eines Schreibers ändert, verändert sich auch seine Handschrift. Aus diesem Grund ist es für eine ausführliche, genaue und richtige graphologische Beurteilung stets erforderlich verschiedene Schriftstücke (zu den verschiedensten Tages-/Stresszeiten) zur Analyse zur Verfügung zu stellen

Die gefundenen Eigenschaften werden zum Abschluss zueinander in Beziehung gesetzt. Merkt dann der Graphologe, dass die Handschrift verstellt wurde, da nicht jeder Laie weiss, auf welche Merkmale es dem Graphologen ankommt, haftet er dem Schreiber etwas Unaufrichtiges und Gekünsteltes an. Die Charaktereigenschaften, die herausgefunden wurden, zeigen stets nur die Bereitschaft bestimmte Handlungen auszuführen. Dazu soll ein Beispiel folgen. In einem Betrieb wurde gestohlen. Nun wurden von allen Angestellten Handschriftsproben eingesammelt. Der Graphologe kann nach der Beurteilung nur, feststellen, dass der eine oder andere jederzeit bereit ist unehrlich zu handeln. Er kann jedoch nicht mit Sicherheit sagen, dass der eine oder andere der Täter ist.

Zum graphologischen Gutachten benötigt der Graphologe das Alter und das Geschlecht. Verschiedene Charaktereigenschaften fallen bei jüngeren Menschen stärker ins Gewicht als bei älteren Menschen. Das Geschlecht kann zwar aus der Handschrift vermutet werden, jedoch gibt es Frauen mit einer ausgeprägten männlichen Handschrift und auch umgedreht, so dass es meist nur eine Vermutung bleibt.

Der wohl bekannteste Graphologe ist Herr Dipl.-Psych. Peter Lauster in Köln. Seit 1971 hat er über 5000 Persönlichkeitsgutachten für Auftragsgeher aus der Schweiz, Österreich, Belgien, Frankreich, Lichtenstein, Holland und Italien erstellt. Aber auch für deutsche Personen. Sein umfangreiches Gutachten enthält Aussagen zu den geistigen Fähigkeiten, wie z.B. Kreativität, Flexibilität, Auffassungsgabe, Denkweise, Intelligenz etc., aber es enthält auch Ausführungen zur Arbeitsweise, wie Initiative, Organisationstalent, Dynamik, Ehrgeiz, Zuverlässigkeit, Führungsqualität, Leistungsmotivation und Verantwortungsbereitschaft. Aussagen zur Kontaktfähigkeit, zum Konfliktverhalten, zur seelischen Verfassung und zur Berufseignung gehören ebenfalls in seine Beurteilung. Am Ende seiner Beurteilung führt er noch eine psychologische Beratung durch. Herr Lauster führt zu folgenden Problemstellungen, d.h. z.B. Berufswahl, Studienwahl, Berufslaufbahnberatung, Begabungsanalyse, Selbstfindungs-, Partnerschafts-, Erziehungsberatung und Bewerberbeurteilung graphologische Beurteilungen durch.

 

2. Die Schrift
2.1. allgemeines zur Schrift

Das wesentliche an der Handschrift ist die Mittellage. Dieses sind die Buchstaben, die keine Oberlänge oder/und Unterlänge besitzen. Diese Mittellage wird durch Buchstaben, die keine Oberlänge oder Unterlänge besitzen, bestimmt. Beispielsweise zählen zur Mittellage die Wörter "es", "am", "zusammen", "nur", etc. Die Mittellage wird auch als Schriftkern bezeichnet. Oberlängen haben z.B. die Buchstaben "l" und "t". Beispiele für Buchstaben mit Unterlängen sind "g" und "p". Zu den Oberlängen zählen neben den Grossbuchstaben auch die "i"-Punkte und "u"-Haken.

Durch eine langjährige empirische Vergleichsarbeit hat man herausgefunden, dass man "Hinweise auf den Willen und das Gefühl eines Menschen in der Mittellage seiner Handschrift"(2) findet.

Die eigentliche Schriftbindung und die Vorwärtsbewegung werden am besten bei den Buchstaben "u", "m", "n" und "i" abgelesen. Hier kann der Wille des Schreibers abgelesen werden. Durch "Girlanden", "Winkel", "Schlangenlinien", "Fadenbindungen“ oder "gemischte Bindungen" kann auf Charaktereigenschaften, die im wesentlichen durch den Willen bestimmt werden, Schlüsse gezogen werden. Auch die Intelligenz, die Triebe und das Gefühl bestimmen die Charaktereigenschaften sowie die Schrift.

Über die Formung der Vokale kann der Graphologe die Eigenschaften ablesen, die durch den Willen und das Gefühl gemeinsam bestimmt werden. Dieses sind die Offenheit und die Ehrlichkeit zum Beispiel.

Die Mittellage enthält auch viele Buchstabenköpfe und Buchstabenbäuche. Als Beispiel seien hier "v", "w", "g", "d" genannt. "Diese zumeist runden Formen, die breit oder schmal, offen oder geschlossen, klar oder undeutlich geschrieben werden können, verleihen besonders dem Gefühl des Schreibers Ausdruck, und dies in einem so starkem Masse, dass wir die Mittellage auch gelegentlich die 'Gefühlslage' nennen."(3)

Das Verhalten wird durch die Intelligenz beeinflusst. Also 'von oben'. Die individuelle Form der "i"-Punkte und "u“-Haken drückt also tatsächlich etwas über die Intelligenz des Schreibers aus. Die Triebe des Schreibers beeinflussen den Schreiber 'von unten'. Die Unterlängen der Buchstaben geben somit Aussagen über Aggressions-, Sexual- oder Bemächtigungstriebe etc. wieder. Es können aber auch Aussagen über seine praktischen Fähigkeiten oder wie der Schreiber mit der Wirklichkeit verbunden ist, gemacht werden.

 

2.2. Die Zeilenführung

 "Die Art der Zeilenführung dokumentiert im wesentlichen die Beständigkeit des Willens und der Gefühle des Schreibers und sagt etwas über seine Stimmung aus.“ (4) Sinnvoll ist die Deutung hier nur, wenn die Schriftprobe auf unliniertem Papier ohne Hilfsmittel gemacht wurde.

Bei geraden Zeilen, ohne Schwankungen nach oben oder/und nach unten, zeigt an, dass der Schreiber gekennzeichnet ist durch Selbstdisziplin, Zielstrebigkeit und Gefühllosigkeit. Es bedarf jedoch weiterer Merkmale -verschiedene Buchstaben- um die Merkmale zu bestätigen. Dann können auch Aussagen über die Beständigkeit gemacht werden.

Sind die Zeilen gerade, weisen aber Schwankungen nach oben/unten auf, erfährt der Graphologe, dass der Schreiber den Wunsch hat, nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. "Er gibt sich durchaus Mühe, nicht launisch zu sein, es gelingt ihm aber nur manchmal und nicht vollständig."(5)

Schwankt die Zeilenführung, so ist sie das volle Gegenteil -im Bezug auf die Interpretation- zur geraden Zeile. "Der Schreiber ist unbeständig, und zwar nicht nur in seiner Stimmung, sondern auch in seiner Meinung."(6) Wenn selbst die Zeile nicht mehr festzustellen ist, kann man davon ausgehen, dass man es mit einem labilen Menschen zu tun hat.

Die Zeilen, die nach oben steigen, zeigen an, dass der Schreiber ein Optimist sein könnte. Bei fallenden Zeilen könnte man auf einen Pessimisten schliessen. Die Hauptursache für steigende oder fallende Linien ist jedoch die körperliche Befindlichkeit. Aus diesem Grund sollte man zuerst herausfinden, ob es Krankheits- oder Schwächezeichen gibt. Dieses können "etwa eine zittrige Schriftführung oder Unterbrechungen mitten in den Buchstaben"(7) sein. Eigenschaften kranker Menschen mit steigenden Linien könnte man unterstellen, dass diese sich nicht unterkriegen lassen und einen festen Willen besitzen. "Die absteigende Zeile weist auf eine vorübergehende Müdigkeit. Pessimismus oder Krankheit hin, wobei das eine durch das andere bedingt ist."(8) Sollte die Zeile bei einem gesunden Menschen fallen, kann man auf eine Ermüdung durch seine Arbeit aber auch ein Sich-Gehen-Lassen und z.B. ein öfters beklagen unterstellt werden. Grosse Erschöpfung wird bei älteren Menschen bei der fallenden Linie an gezeigt.

Andere Zeilen steigen und fallen dann wieder ab. Hier beweist die steigende Tendenz, dass der Schreiber in physischer und psychischer Hinsicht einen gewissen Elan an den Tag legt aber auch schnell wieder ermüdet, was sich dann in der fallenden Linie zeigt. Der Schreiber ist körperlich nicht sehr stabil und macht sich oft wegen Kleinigkeiten sehr leicht Sorgen.

Das Gegenstück dazu ist die Linie, die zuerst fällt und dann steigt. Die Menschen, die so die Zeilen schreiben, können sich meist nur sehr langsam und schwerfällig zu etwas entschliessen. Haben sie sich aber einmal entschlossen, beharren sie sehr fest auf Ihren Entschluss und sind durch nichts zu entmutigen. Bei der Ausführung der Aufgabe lehnen sie meist fremde Hilfe ab und möchten alles allein machen.

Ein anderes Merkmal ist der Zeilenabstand. Ist der Abstand zwischen den Zeilen sehr eng, ist der Schreiber eher ängstlich. Bei grossem Zeilenabstand ist der Schreiber eher euphorisch.

Ein weiteres Merkmal ist der Zeilenanfang, also wird untereinander, nach rechts versetzt oder nach links versetzt angefangen zu schreiben. Jede Zeile weiter links fangen meist depressive Schreiber an. Die euphorischen Schreiber fangen meist jede Zeile weiter rechts an.

 

2.3. Die Unterschrift

Die Unterschrift nimmt eine Sonderstellung gegenüber der "normalen" Schrift ein. Die meisten Menschen identifizieren sich mit ihr.

In der Unterschrift zeigt sich, wie man zum geschriebenen Text steht. Weicht die Unterschrift vom Text ab, könnte bezweifelt werden, ob der Schreiber zum geschriebenen Text wirklich steht. Durch die allgemeine Schrift erfährt der Graphologe etwas über das Private. Aber die Unterschrift zeigt im Gegenstück dazu, wie er beruflich ist. Gibt es keine Abweichungen zwischen der allgemeinen Schrift und der Unterschrift, kann auch nicht zwischen privaten und beruflichem unterschieden werden. Hier möchte der Schreiber im privaten und beruflichen Bereich der gleiche Mensch bleiben und möchte nicht anders sein und scheinen, wie er wirklich ist.

Bei der Unterschrift unterscheidet man in den Vor- und den Nachnamen. Vor und Nachname stehen für verschiedene Bereiche des Lebens. Der Vorname steht für 'Kind' und 'privat'. Der Nachname hingegen steht für die Bereiche 'Erwachsener' und 'offiziell'. Je nach der Gefühlslage, seiner Stimmung oder der Situation, in der unterschrieben wird, kann der Schreiber auf verschiedene Arten unterschreiben, wie z.B. Nicole; Nicole G.; N. Glück; Glück oder Nicole Glück.

Nur wenn die Unterschrift genügend viele Buchstaben mit Unterschleifen und nicht von der allgemeinen Schrift abweicht, ist es möglich Gutachten auszuarbeiten. Am wichtigsten ist der Nachname. Das ist zwar zuverlässig jedoch sehr mager. (Gemeint ist das Gutachten.)

Die Unterschrift zeigt also wie der Schreiber sein möchte und nicht wie er tatsächlich ist. Es folgen nun einige Beispiele.

Wird der Vorname kleiner geschrieben als der Nachname, so könnte man davon ausgehen, dass der Schreiber eine unglückliche Kindheit gehabt hat und sie nun zu verdrängen sucht. Eine andere Ursache kann das Verleugnen der Herkunft sein, "um leichter auf der sozialen Leiter emporsteigen zu können"(9) Ähnlich sieht es aus, wenn statt dem "kleinen" Vornamen nur die Initiale steht. Hier werden die Kindheitserinnerungen nicht unterdrückt, denn man will erwachsen sein. Bei diesen sorgfältigen Beobachtungen hat man auch herausgefunden, dass diejenigen, die nur die Initiale des Vornamens schreiben, oft Menschen sind, die ernst genommen werden wollen. Auch zeichnen sie sich durch ein starkes Pflichtbewusstsein aus. Beruf und Privatleben werden bei diesen Menschen stets getrennt behandelt.

Auch hier gibt es das Gegenstück. Wird der Nachname kleiner geschrieben als der Vorname, so könnte der Schreiber albern, recht unselbständig, und das Pflichtbewusstsein dürfte auch nur wenig vorhanden, sein.

Ein anderes Merkmal sind die Über-, Unter-, und Durchstreichungen der Unterschrift. Wird die Unterschrift unterstrichen, so kann man davon ausgehen, dass der Schreiber das Bedürfnis hat, sich eine gesicherte materielle Grundlage zu schaffen oder zu erhalten. Falls die Grundlage noch nicht besteht, kann auf eine gewisse Angst schliessen. Ist die Unterstreichung ein ganzes Stück von der Unterschrift entfernt, so haben Beobachtungen ergeben, dass diese Menschen in der Regel über Ihre Verhältnisse leben. Diese Menschen wollen finanzielle Sicherheit -ohne sparen- erreichen.

Wird die Unterschrift überstrichen und beginnt der Strich bei der ersten Initiale, so wird dem Schreiber ein starkes 'ich' bezogenes Handeln zugeordnet. Diese Schreiber verlassen sich am liebsten auf sich selbst. Andere werden sehr kritisch betrachtet.

Figur 219 zeigt die Unterstreichung
Figur 220 zeigt die Unterstreichung mit einigem Abstand
Figur 222 zeigt die Überstreichung
Figur 223 zeigt die Durchstreichung
Figur 224 zeigt die Durchstreichung bzw. die Abschneidung der Mittellagebuchstaben

Eine andere Art ist die Durchstreichung. Hier unterscheidet man auch in 2 verschiedene "Streichungen". Bei der einen Möglichkeit werden alle Buchstaben durchgestrichen und bei der anderen werden nur die Buchstabenköpfe, wie in der Figur 224, durchgestrichen. Die Mittellage-Buchstaben bleiben verschont. Der Schreiber, der alle Buchstaben durchstreicht, hält sich selbst für unzugänglich und möchte gern jemand anders sein. Der andere Schreiber, der beim durchstreichen die Mittellagebuchstaben verschont, hält nicht viel von seinen geistigen Fähigkeiten. Er schneidet nämlich somit seinen geistigen Bereich ab. Auch leidet er unter Minderwertigkeitskomplexen.

Ist die Unterschrift unleserlich, wenn die allgemeine Handschrift leserlich ist oder weicht die Zeilenrichtung oder die Schriftlage der Unterschrift von der Allgemeinschrift ab, so schiesst man daraus, dass der Schreiber beruflich anders erscheint als privat. Hier will der Schreiber beruflich etwas darstellen, da er in diese Situation hineingedrängt wird. "Ist die Unterschrift steiler oder mehr links geneigt als die Normalschrift, oder ist sie leicht rechts geneigt, während die Normalschrift stark geneigt ist..., so haben wir es beim Schreiber mit einem Menschen zu tun, der im Berufsleben beherrschter und zurückhaltender ist als im Privatleben."(10)

In der abgebildeten Skizze sind 3 verschiedene Schreiber "dargestellt" worden. Der linke Schreiber ist privat beherrscht und beruflich in der Regel verschlossen und hat die Neigung Fakten zu verbergen, die ihm Schaden könnten. Der Fakten-Schreiber schlägt im privaten hemmungslos über alle Stränge und hat im beruflichen sich voll in der Gewalt hat. Diese impulsiven Handlungen sind im beruflichen Teil jedoch nicht auszuschliessen. Aber auch ein umgekehrter Schluss kann gezogen werden. Hier muss dann nur die Unterschrift mehr nach rechts als bei der allgemeinen Schrift geneigt sein. Der Schreiber in der Mitte ist ein Mensch, der beruflich sehr diszipliniert und beherrscht ist, im privaten jedoch neigt der Schreiber zu Spontaneität.

Ist die Unterschrift nahezu unleserlich, weil die Buchstaben so aneinandergequetscht wurden und ist die allgemeine Schrift auch so zusammengedrückt, so kann man daraus schliessen, dass der Schreiber kleinlich, misstrauisch und vorsichtig-abwartend ist.

Enthält die Unterschrift grosse Schleifen in den Unterlängen, so zeigt es, dass der Schreiber stark materiell eingestellt ist. Dieses Merkmal ist so wichtig, dass positive Beurteilungen sogar noch in eine negative Beurteilung umgewandelt werden.

Wird die Unterschrift nicht zu Ende geführt und ist der geschriebene Teil unleserlich, so kann man feststellen das der Schreiber irgendetwas, was ihn belastet, verbirgt. Genauere Hinweise über die Ursache oder die Art der Belastung kann dann aber erst die allgemeine Schrift geben.

Die Schreiber, die im Allgemeinen eine leserliche Schrift besitzen, aber bei der Unterschrift 'schaumschlagen', haben also eine so genannte 'Schaumschlägerunterschrift'. Der Name ist nicht oder nur sehr schwer lesbar. Bei dieser Unterschrift interessieren den Graphologen das 'Schaumschlagen' und diesmal nicht die Buchstaben. Durch zahlreiche Beobachtungen hat man herausgefunden, dass der Schreiber alles unternimmt, um einen guten Eindruck zu machen. Der Schreiber ist meist ein 'diplomatischer Bluffer'.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die links- und die rechtsschrägen Unterschriften eingehen. Danach sollen die Ausführungen zur Unterschrift beendet werden. Linksschräge Unterschriften sagen aus, dass der Schreiber zurückhaltend, distanziert wirkt und will überlegen rational denkend wirken. Eine leichte Rechtslage steht für höflich. Bei starker Rechtsneigung wird auf Anbiederungssucht geschlossen.

 

3. weitere Merkmale der Schrift und deren Bedeutung
3.1. allgemeines

Um ein gutes graphologisches Gutachten zu machen, ist es unbedingt erforderlich, dass man jahrelange Erfahrungen in diesem Bereich hat. Auskennen sollte man sich in den vorher genannten und den folgenden Themen. Merkmale sind z.B. bei den Grossbuchstaben, den Vokalen, den 'i'-Punkten und 'u'-Strichen, Vereinfachungen, Ober- und Unterlängen, Verbesserungen, Wortanfängen und Wortenden vorhanden. Viel wird auch über die Schriftbindung, die Schriftgrösse, die Enge und die Weite der Schrift, die Schriftlage, die Schriftneigung, die Verbundenheit der Schrift und die Druckverteilung herausgefunden. Dann gibt es natürlich verschiedene Besonderheiten auf die man dann noch zu achten hat. Hier sollen anschliessend nur einige Themenbereiche ausführlicher besprochen werden.

 

03.02. Die Oberlängen und Oberschleifen

Durch diese Buchstabenteile erfährt der Graphologe etwas über die Pläne, Wünsche und das Ausmass seiner Phantasiebegabung.

Die Schreiber, die die Schleife nach dem Schulvorbild in Grösse und Form schreiben, sind Menschen, die klar denken und sprechen. Auch können sie ihre Phantasie zügeln. Viele der herausgelesenen Eigenschaften sind sehr allgemein. Aus diesem Grund sind die Oberschleifen auch nur ein Teil, der zur Bewertung eingeht.

Wenn der Schreiber die Oberlängen verkümmert schreibt und diese Verkümmerung auch bei den Kleinbuchstaben auftritt, so besteht der Wunsch alles zu vereinfachen. Anschliessend muss noch zwischen Girlandenschreibern, Arkadenschreibern und Winkelschreibern unterschieden werden. Dieses sorgt dann für eine ausführlichere Deutung. Beispielsweise wird beim Girlandenschreiber hinzugefügt, dass er sich nicht von Leidenschaften, Süchten und übertriebenen Egoismus leiten lässt. Ein Beispiel für eine verkümmerte Schleife ist in der Figur 58 zu sehen. Bei Schreibern, die die Oberschleifen rechts her abreisen, hat man festgestellt, dass der Schreiber Konzentrationsschwierigkeiten besitzt, die von Unlustgefühlen und Freudlosigkeit begleitet wird. Die Figur 59 enthält 2 Beispiele. Schreibt der Schreiber verkürzte Oberlängen, also sind die Oberlängenbuchstaben nur etwas grösser als die Mittellagebuchstaben, so will der Schreiber meist sein Wissen nicht weiter geben.

Die Schreiber, die die Oberlängen mit hohen und grossen Schlaufen versehen, haben eine Neigung -je nach der Höhe- zu einem übersteigerten Geltungsdrang. Ist die Schlaufe gross aber jedoch nicht hoch, also in der normalen Höhe, so kann der Schreiber manchmal Phantasie und Wirklichkeit nicht auseinander halten. Der Schreiber neigt zu Übertreibungen. Er ist aber in der Regel ehrlich.

Einen stark ausgeprägten Geltungsdrang und sehr ehrgeizig sind die Schreiber, die die Oberschlaufe oben zugespitzt schreiben.

Besonders interessant sind aufeinander folgende Oberlängen, wie beispielsweise in dem Wort 'alle'. Die Schreiber, die den folgenden Oberlängenbuchstaben kürzer schreiben, können Menschen nicht akzeptieren, die grössere Phantasie und Schöpferkraft haben. Auch hadert der Schreiber mit dem Schicksal und der Welt. Anders sieht es umgedreht aus. Wird festgestellt, dass die zweite Schlaufe grösser als die erste ist, so wurde durch umfangreiche Tests festgestellt, dass der Schreiber die eigene Kreativität überschätzt, von sich voreingenommen ist. Er vergisst, dass es meist noch Mitarbeiter gibt. Auch hier sollte man nicht vergessen, dass man noch auf weitere Merkmale sehen sollte.

 

3.3. Die Unterlängen

Die Unterlängen schliessen die Buchstaben mit Schlaufe, wie 'g' und 'j' und auch Buchstaben ohne Schlaufe, wie 'q' und 'p' ein. Diese Buchstaben drücken die Einstellung des Schreibers zu materiellen Dingen aus. Man findet auch Informationen zu seinen Trieben (Sex, Besitz, Aggression). Der Graphologe findet dann noch Hinweise zu seinen praktischen Fähigkeiten und über seine Verbundenheit mit der Wirklichkeit.

Stellt man fest, dass die Ober- und Unterlängen gleich lang sind, so ist der Schreiber im praktischen wie auch im theoretischen Teil gleich gut. Seine Vernunft und seine Triebe sind ausgeglichen. Sind aber die Oberlängen grösser, so ist der Schreiber ein Theoretiker. Er ist idealistisch und phantasievoll. Bei einem Praktiker sind die Unterlängen grösser. Auch ist er mehr wirklichkeitsverbunden und materialistisch eingestellt.

Lange und bauchige Unterlängen, die länger als die Oberlängen sind, zeigen an, dass die Schreiber eine grosse Genusssucht und eine grosse Triebhaftigkeit besitzen. Dieses bezieht sich dann auf die Gaumenfreuden und auf das Sexuelle. Falls dann die Unterschlaufen so lang sind, dass sie bis in die nächste Zeile reichen, so denkt der Schreiber in der Regel nur noch an Geld und Sex.

Bei langen und spitzen Unterlängen, die länger als die Oberlänge sind, kann man auf eine fest verankerte materielle Grundhaltung schliessen. Diese Schreiber sind meist praktisch orientiert.

Falls die Unterlängen so kurz sind, dass sie auch noch kleiner als die Oberlängen sind, so fehlt dem Schreiber meist Praxisnähe. Er ist meist weltfremd. Sind die Unterlängen so kurz, dass sie nur ein Stück über die Mittellage herausragen, so kommen sexuelle Schwierigkeiten hinzu. Auch hier sollte man anschliessend nach den Ursachen, die in den Vokalen "stehen", suchen. Diese Ursachen können dann wieder die Feststellungen (sexuelle Schwierigkeiten oder die Realitätsnähe) verwerfen.

Fest verbunden mit der Realität ist der Schreiber, der die Unterlänge sehr schmal jedoch mit einer normalen Länge versehen hat. Diese kann dann auch schon wie ein Pfeil wirken. Diese Schreiber lehnen abstrakte Ideen ab.

Es gibt eine Menge verschiedener Schreibweisen der Unterlängen. (u.a. Abb. 2) Die abgerissene Schlaufe ist in der Figur 70 dargestellt. Sie tritt bei den Menschen auf, die sich gegenüber einer bestimmten Sache deutlich wehren. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Schreiber im Leben "urplötzlich Widerstand gegen Ansprüche Wünsche oder Richtlinien ihrer Umgebung leisten."(11) Die praktischen Fähigkeiten sind meist nicht stark entwickelt. Anders sieht es jedoch bei dem Wort 'gegenteilig' aus. Ist bei diesem Wort nur die Letzte abgerissen, die anderen jedoch "normal", kann man daraus schliessen, dass der Schreiber hartnäckig bei seiner Ideen- und Zielverwirklichung ist. Diese Deutung gilt als sehr zuverlässig. Unter Umständen kann diese hartnäckige Haltung auch bei anderen Schreibern auftreten. An dieser Stelle sollen dann auch die Schlaufen beendet werden. Kommen wir zu den Strichen, wie in 'p' und dieses bei Aufeinander folgenden Buchstaben. Beispiele hierfür können "Opposition" oder "Pfifferling" sein. Ist die zweite Unterlänge kürzer und dieses im gesamten Text, so dürfte man daraus schliessen, dass der Schreiber erhebliche Gehstörungen hat. Stehen nacheinander zwei Wörter, die beide Paar-Unterlängen haben, können verschiedene Fälle auftreten. Ist beim ersten Paar die zweite kürzer und im zweiten Paar umgedreht, so kann man daraus schliessen, dass der Schreiber hinkt und andere Gehbeschwerden, die durch Krankheit entstanden sind, hat. Dieses müsste aber dann schon im gesamten Text mehrmals so auftreten. Dann gibt es noch die Fälle, wo sich die kürzere Unterlänge manchmal im ersten Paar und manchmal im zweiten Paar an der ersten Stelle befindet. Hier liest man daraus, dass der Schreiber sich physisch überanstrengt und mit der allgemeinen Müdigkeit zu kämpfen hat. Auch kann er nicht mit seinen Kräften haushalten.

 

3.4. Die Vereinfachungen und Verbesserungen

Vereinfachungen können das Weglassen von Schleifen und die Beschränkung auf das Notwendigste sein. Jedoch sollte bei letzterem keine Verstümmelung stattfinden. Die verkümmerten Buchstaben sind in der Figur 123 dargestellt. Diejenigen, die die Buchstaben so vereinfachen, sind klar und strukturiert denkende Menschen. Sie sind gegenüber allem Neuen aufgeschlossen. Diese Schreiber legen keinen Wert auf die Anerkennung, sondern nur auf die Leistung. Eine andere Vereinfachung sind die "gedruckten" Grossbuchstaben. Diese Schreiber sind ihrer selbst sich nicht sicher. Dieses trifft besonders dann zu, wenn die Buchstaben im Text manchmal in Schreib- und manchmal in Druckschrift geschrieben werden. (Gemeint sind die grossen Anfangsbuchstaben.) Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Die Ursache hierfür liegt im Beruf. So sind es z.B. Zeichner, Graphiker und Musiker gewöhnt, verschiedene Zeichen, wie die Grossbuchstaben oder Noten ständig gross und gedruckt zu schreiben. Die Folge ist die unwillkürliche Übertragung in die Handschrift.

Falls einem Schreiber Buchstaben missraten erscheinen, so kann der Schreiber die Buchstaben Ver- und Ausbessern. Der Grund für die Ausbesserungen ist der Wunsch Unsicherheiten und Schwächen zu verbergen. Die Ursachen für das Ausbessern der Oberschleife sind Minderwertigkeitsgefühle in Bezug auf intellektuelle Fähigkeiten. Ist die Ausbesserung besonders gross und rund hat der Schreiber ein starkes Geltungsbedürfnis. Dann können sich die Eigenschaften wieder aufheben. Die Ausbesserungen sind oft nur schwer zu entdecken.

Neben den Verbesserungen in den Oberlängen können auch Verbesserungen in den Unterlängen und Mittellagebuchstaben auftreten. Auch hier ist das Motiv die Unsicherheit. Es wird in Gefühlsdingen geschwankt. Durch langjährige graphologische Forschung ist es möglich geworden, Unterschiede zwischen der Unsicherheit und der Angst vor einer Krankheit, selbst wenn sie nicht vorhanden ist, herauszufinden.

Verbesserte Unterlängen -bei Schleifen oder Strichen- sind auf physische oder psychische Schwächen zurückzuführen. Der Schreiber ist sich seiner finanziellen Probleme bewusst. Er will aus Stolz verbergen, dass er nicht mit Geld umgehen kann. Dieses trifft zu, wenn die meisten der zu kurz geratenen Unterlängen nachträglich verlängert werden. Werden hingegen nur bestimmte Buchstaben verlängert, so gibt es bei dem Mann sexuelle Schwierigkeiten. Er unterdrückt dann bewusst oder unbewusst die betroffene Frau. Diese Buchstaben findet man im Vornamen der entsprechenden Frau. (Sofern der Name Unterlängen besitzt.) Unterdrückt im Gegenteil die Frau bewusst oder unbewusst den entsprechenden Mann, so sind nur die entsprechenden Oberlängen verkümmert oder verstümmelt.

 

3.5. Die Schriftbindung oder der Schriftduktus

Durch die Schriftbindung erfährt der Graphologe etwas über alle Charaktereigenschaften. Die Bindungsarten werden in drei verschiedene Bindungsarten unterteilt. Dieses sind die Girlande, die Arkade und die Winkelschrift.

Das Merkmal der Girlande (oder Girlandenschrift) ist, dass entsprechende Buchstaben Rundungen unten an der Grenze zur Unterlänge aufweisen. Jedoch verlaufen die Buchstaben oben spitz zu. Die Eigenschaften sind anpassungsfähig, weich, zärtlich und gutmütig. Sind die Girlanden eng, so kommt noch hinzu, dass der Schreiber diszipliniert ist. Das Gegenstück sind weite Girlanden. Hier ist der Schreiber schon willensschwach.

Die Arkade ist das Gegenstück zur Girlande. Diese ist oben rund und unten spitz. Diejenigen die Arkaden schreiben, sind willensstark, energisch, zäh, schwer zugänglich und tun sich nicht leicht unterordnen. Geizig ist der Schreiber, wenn die Arkaden besonders eng geschrieben werden.

Die Winkelschrift hat etwas von beiden. Sie ist oben und unten spitz. Eigenschaften sind ausdauernd, schwer belehrbar, herrschsüchtig und beharrlich. Sind die Winkel besonders eng, so ist der Schreiber weltfremd.

Auch diese gefundenen Eigenschaften können sobald man Anzeichen bei einigen weiteren Buchstaben feststellt in das Gegenteil kippen. Dieses geschieht dann, wenn die gegenteiligen Merkmale so oft und stark auftreten. Da in der Praxis die Schrift oft undeutlich ist (ca. 50%), ist die genaue Deutung oft sehr schwer. So können verschiedene Mischformen auftreten. Und spätestens diese geben dem graphologischen Laien keine grosse Chance zur Schriftdeutung mehr.

Kommen wir zu zwei anderen Bindungsarten. Dieses sind die Fadenbindung und die Schlangenlinie (Figur 5). Die Fadenbindung, wo ein Strich die Buchstaben, wie 'm', 'n', 'u' und 'i' ersetzt, ist auch anzutreffen. Die Eigenschaften dieser Schreiber sind Nervosität, Ungeduld, Arroganz. Sie besitzen keine pädagogischen Fähigkeiten. Die Ursache liegt in der schnellen Denktätigkeit. Ihr kommt nämlich die Hand des Schreibers nicht mit. Derjenige der Schlangenlinien schreibt, windet sich diplomatisch durch das Leben. Er ist gewunden und heuchlerisch. Der eigene Wille und die eigene Persönlichkeit werden meist unterdrückt. Auch hat der Schreiber Angst.

3.6. Die Formung der Vokale

Wie auch in allen vorhergegangenen Kapiteln kann auch hier nur ein allgemeiner und beschränkter Einblick gegeben werden. Auch dieser Teil ist einer von vielen aus dem der Graphologe Informationen über eine Person "herauszieht".

Die Art und die Intensität von Gefühlen sind Auskünfte, die man aus den Vokalen "herauslesen" kann. Auch kann man auf die Charakterzüge -hauptsächlich auf das Gefühl- schliessen.

Aus der Formung der Vokale erfährt man etwas über die Offenheit oder Verschlossenheit gegenüber den Mitmenschen. Offene Vokale stehen im Allgemeinen für Offenheit. Im Zusammenhang mit einer Girlandenschrift, kann man daraus schliessen, dass der Schreiber vertrauensselig und offen ist. (Er äussert seine Gedanken und Absichten ohne Hemmungen.) Kritiklos gibt er auch fremde Meinungen, die er akzeptiert, weiter. Werden jedoch die offenen Buchstaben, wie z.B. 'a' und 'o' in einer Arkaden- oder Winkelschrift gefunden, so wird die Offenheit umso geringer je enger die Arkaden oder Winkel sind. Umgedreht ist es analog. Die offenen Vokale bedeuten weiterhin, dass der Schreiber offen und gern Kritik übt. Auch spricht er selten von sich und seinen Gefühlen. Ist die Schrift linkssteil, so haben die offenen Vokale eine untergeordnete Bedeutung. Hier hat der Schreiber das Bedürfnis, aber nicht den Mut sich mitzuteilen. Sind die Vokale 'a' und 'o' jedoch halboffen, schwächt dieses die Aussagen, wie sie bei den offenen Vokalen gemacht wurden, ab. Findet man diese halboffenen Vokale in einer Girlandenschrift, so öffnet er sich spontan gegenüber seinen Mitmenschen. Er ist jedoch nicht schwatzhaft. Stehen sie dagegen in einer Arkaden- oder Winkelschrift, so verschliesst sich der Schreiber nicht vor neuen Eindrücken. Ohne Bedeutung sind die halboffenen Buchstaben in einer linksschrägen Schrift.

Ein anderer Fall ist dann, wenn zum Beispiel alle 'a' geschlossen und alle 'o' offen sind. Durch umfangreiche Vergleiche wurde herausgefunden, dass der Schreiber Geheimnisse sicher verwahrt und sehr zurückhaltend über andere Menschen spricht. Wieder anders sieht der Fall aus bei geschlossenen 'o' und offenen 'a'. Dieser Schreiber spricht offen über andere Menschen und allgemeines. Über sich jedoch selbst schweigt er. Hier ist auch der Unterschied zum ersten Fall, denn dieser spricht gern und offen über sich selbst.

Jeder Vokal steht für bestimmte Aussagen. Das 'o' sagt etwas über den Schreiber aus. Das 'a' sagt etwas über das Verhalten zu seinen Mitmenschen aus.

Bei "normalen" 'a' und 'o' sind die Merkmale bei allen Schrifttypen im allgemeinen gleich. Die Eigenschaften sind Aufrichtigkeit, abwägend und vorsichtig und er kann schweigen. Nur die Aufrichtigkeit muss noch bei anderen Buchstaben bestätigt werden (Figur 21). Aber dann gibt es auch noch künstlich geschlossene oder mit einer durch gezogenen Schleife verschlossene oder eingerollte ' o' und 'a'- Buchstaben, die man in Worten finden kann. Jede diese und weitere Merkmale helfen dem Graphologen für die Beurteilung des Schreibers.

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf das 'i' und das 'e' eingehen. Das 'i' verrät eine Menge über das ICH. Das 'e' gibt im Grossen und Ganzen Auskunft über die Emotionen. Auch kann man bei diesem Krankheiten (Leber- oder Gallenleiden) feststellen. Über das 'e' erfährt man vieles über die (blutsverwandten Ursprungs)Familie, d.h. es gibt keinen Hinweis über die eigene Frau oder die eigenen Kinder.

 

4.  Verzeichnis der verwendeten Informationen / Bücher

Zur Erstellung der Hausarbeit wurden verwendet

die Informationen des Graphologen Herrn Dipl.-Psych. Lauster,
die Bücher:
--„Lexikon der Graphologie" von H. Hubmann, 
--"Das grosse Buch der Graphologie" von H. Steigrad,
die Zitate (1) bis (11) sind aus dem Buch von H. Steigrad (s.o.),
die "Figur-Abbildungen" sind aus dem Buch von H. Steigrad (s.o.),
die "Abbildung Nr.l“ und die "Abbildung Nr.2" sind aus dem "dif - der Informationsfinder", einer Wirtschaftsfachzeitschrift
(Fairerweise muss gesagt werden, dass der „dif“ jede Vervielfältigung durch Kopien Verbietet. Laut Impressum. Diese Abbildungen wurden nur zur Unterstützung, Information, Fortführung und Erläuterung und nur für diese Hausarbeit verwendet. Aus diesem Grund kann ich jeder Vervielfältigung dieser beiden Abbildungen nicht zu stimmen.)
- die Abbildung 1 stammt aus dem "dif" 2/92
- die Abbildung 2 stammt aus dem "dif" 3/92
der Sonderdruck aus dem "Capital" (Wirtschaftsmagazin) mit dem Titel" Graphologie Probe aufs Exempel"

Weiterführende Serien zur Graphologie
"Hilfe-Psychotests -Schach dem Tester- im "dif" seit der Ausgabe 6/91
"Menschenkenntnis im Geschäftsleben" im "dif" seit der Ausgabe 3/93

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